The Stand. Das letzte Gefecht – Stephen King (1978)

Wenige Autoren haben über das Mysterium des Erwachsenwerdens, über das schwierige Leben von Außenseitern in unserer erfolgsorientierten Gesellschaft, über Antisemitismus in den USA oder über brutale Gewalt im sozialen Nahraum so eindringlich und erfolgreich geschrieben wie Stephen King.

Es gibt sogar Leute, die davon überzeugt sind. King sei überhaupt deshalb so erfolgreich. Das stimmt natürlich nicht. Menschen kaufen Bücher von Stephen King, weil er ein exzellenter Geschichtenerzähler ist, weil er seiner LeserInnen von der ersten bis zur letzten Seite packt und weil er tolle Monster erfindet, die mit unseren alltäglichen Ängsten in ideale Resonanz gehen.


In „The Stand – Das letzte Gefecht“ aus dem Jahr 1978 dominieren keine Monster (obwohl das Buch mit monstermäßigen 1.712 Seiten durchaus erschrecken kann). Die übernatürlichen Erscheinungen beschränken sich auf Personifizierungen der Prinzipien des „Guten“ und des absolut „Bösen“ und entsprechenden Erscheinungen.

Die ausführliche Handlung beginnt mit der Auslöschung fast allen menschlichen Lebens in Nordamerika (und wahrscheinlich im Rest der Welt) durch ein Virus. Die verbliebenen Menschen leben zwar postapokalyptisch im materiellen Überfluss (von der Tomatenkonserve bis zur Atombombe ist ja noch alles da), aber sie sind recht einsam und finden sich zu Grüppchen zusammen: Die Zivilgesellschaft will wieder aufgebaut werden. In einer Art „Trecks“ ziehen die einen zur guten Abigail Freemantle nach Boulder, Colrado, die anderen zum personifizierten Bösen, Randall Flag, nach Las Vegas. Am Ende des Romans kommt es zum ultimativen Endkampf.

Warum zur Hölle ist gerade dieses Monster für viele King-LeserInnen das Lieblingsbuch? Er ist eben ein exzellenter Erzähler. In „The Stand“ folgt er etwa 30 Hauptfiguren auf ihrem Weg. Er (und damit das Publikum) kommt ihnen sehr nah, wir wollen tatsächlicher immer noch mehr von ihnen wissen, an ihren Gedanken teilhaben und ein Stück Weges mit ihnen gehen.


Die Überlegungen der taubstummen Leader-Figur Nick („Wie entsteht eigentlich Handel, wenn Waren im Übermaß da sind?“), die Erkenntnisse des hemdsämeligen Stu, welche Bedingungen einen guten Sherrif ermöglichen (eine Frage der Einwohnerzahl: Man sollte die Täter persönlich kennen), die Lebensgeschichten einzelner „Böser“ („zum ersten Mal im Leben gab ihm jemand die Hand“):

Die Ambivalenz der Figuren, die Menge der Figuren und deren Entwicklung „verbrauchen“ Seiten und verzögern die Handlung. Darin  – und auch in der Todesrate der ProtagonistInnen – gleicht „The Stand“ dem HBO Hit „Game of Thrones“. Also keine Angst vor langen Texten, vor der angeblich so kurzen Aufmerksamkeitsspanne – Das Publikum mag lange Texte, aber nur, wenn sie gut sind.

Zug um Zug bringt Stephen King die Figuren in Stellung und nach der letzten Seite atmet der Leser auf – und ist froh, dass er dabei sein durfte.

Stephen King: The Stand – Das letzte Gefecht.

Kommentare

  1. Monstermäßig ist auch „It“.
    Habe die neue Ausgabe (1500 Seiten :D) zu Weihnachten meinem Sohn geschenkt. Er ist damit schon durch. Ich habe ihm ein bisschen über die Schulter geschaut und finde es immer noch das beste von King.
    „The Stand“ ist bei mir auf Platz 2.

  2. The Stand ist wirklich episch im besten Sinn des Wortes. Ich kann solche Bücher nur schwer LESEN (Zeit, Gewicht). Das Hörbuch ist klasse – ich höre immer unterwegs (Auto, Öffis). David Nathan liest extrem gut!

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