Die sterblich Verliebten – Javier Marías (2012)

Die Kunst, sich in den eigenen Sack zu lügen. Davon haben wir schon lange nicht mehr so schön gelesen wie bei Javier Marías.

Die große Liebe: Sie ist absolut, wahr, einzigartig. So glauben wir. So wollen wir es glauben. Javier Marías, der kühle Madrilene, zerlegt diese Wahrheit vor unseren Augen und zeigt uns, wie sehr die absolute Liebe von den eigenen Projektionen getrieben ist. Schicksal? Im Nachhinein mag es so erscheinen, was doch nur reiner Zufall war!

Im Roman von Javier Marías kommt ein gewisser Javier zwischenzeitlich mit einer gewissen María zusammen.


Zuvor hat María das ideale Liebespaar in Luísa & Miguel gesehen. Jeden Morgen im Café trifft sie auf die beiden, ohne sie jemals anzusprechen. Wie achtsam die beiden miteinander umgehen! Aus dieser statischen Situation befreit ein Irrer die Romanhandlung: Miguel wird ermordet, Javier kann als brüderlicher Freund von Luísa ins Spiel kommen und beginnt mit María eine Liebschaft. Dem neuen Liebesglück  – María hält es für immer wahrscheinlicher, dass der Frauenschwarm Javier tatsächlie sie liebt – kommt nun ein „Hörensagen“ dazwischen: Hat Javier etwa den Irren zur Tat motiviert, um sich Luísa nähern zu können? Das darf nicht sein. Also wird die Botschaft mal ignoriert. Das Dilemma wird  in mehreren Reflexionsschleifen bedacht: Die Ich-Erzählerin María kreist monologisierend von der moralischen Pflicht zur Aufklärung des gewaltsamen Todes zur Überzeugung, etwas falsch verstanden zu haben und wieder zurück.
In der nächsten Drehung erzählt Javier seiner beunruhigten Geliebten seine unwahrscheinliche Version.


Was ist wahr? Nix ist fix. Alles nur Interpretationen, geboren aus unseren Wünschen? Wie immer entfaltet die Sprache von Javier Marías eine starke Sogwirkung und verführt auch uns dazu, das zu glauben, was wir glauben wollen. Naturgemäß bleiben wir dennoch vom Zweifel angenagt zurück : )


Javier Marias: Die sterblich Verliebten.

 

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