By Hündür Erikson

Vater unser – Angela Lehner (2019)

„Kärnten is a Wahnsinn!“ Das österreichische Bundesland, das zwischen Jörg Haider und Peter Handke irrlichtert, zwischen GTI-Treffen und Josef Winkler, bildet den biografischen Hintergrund der Psychatrie-Patientin Eva Gruber. Auch die Autorin Angela Lehner wurde 1987 dort geboren und hat einen ungewöhnlichen Roman geschrieben. Schauplatz von Lehners Roman ist die ehemalige psychiatrische Klinik „Am Steinhof“ in…

alias Grace – Margaret Atwood (1996)

Patchwork als Leitmotiv eines Krimis. Handelt es sich bei „alias Grace“ um einen Krimi? Grace Marks, die Hauptfigur,  hat wirklich existiert, sie wanderte im 19. Jahrhundert aus dem verhungernden Irland nach Kanada aus, arbeitete als Magd (!) und Dienstmädchen und war in einen Doppelmord an ihren Dienstgebern verwickelt, verbrachte etwa 30 Jahre in Haft und…

In einer Person – John Irving (2012)

Bill Abbott wächst in einer „irvingesken“ Welt auf: Wer John Irving liest, freut sich auf das Wiedersehen mit Bären, dem Ringen, mit Wien-Aufenthalten und, ja, mit schriftstellernden Hauptfiguren. Sogar die Wahnsinnsarie der Lucia ist wieder dabei. Wer John Irving mehrmals gelesen hat, erkennt sogar ganze Sätze (aus „Owen Meany“) wieder. Jeder Roman von Irving verfolgt…

Die Brücke (2011-2018)

Saga Norén, die kantige TV-Polizistin aus der „Brücke“, ist eine anstrengende Frauen-Figur: Sie kombiniert wie Nick Knatterton, schießt wie Dirty Harry und rumpelt – beeinträchtigt durch ein nicht diagonostiziertes Asperger-Syndrom – durch ihr persönliches Umfeld. Saga Norén, Kripo Malmö Saga Norén, Kripo Malmö, hat null komma null Einfühlungsvermögen, einen brillanten Verstand und einen schlammfarbenen Porsche…

Eine sehr kleine Frau – Peter Henisch (2007)

Scarlett O’Hara und Adolf Hitler. Es war einmal eine Frau, die in Wien 1938 so in den Roman „Vom Winde verweht“ vertieft war, dass sie den Anschluss an Nazi-Deutschland gar nicht bemerkte: „Es war Februar 1938. Vom Winde verweht hatte sie am Samstag, den 11., zu lesen begonnen. Bis zum folgenden Mittwoch hatte sie schon…

Ian McEwan - Honig: Ein Spionageroman in Zeiten des Post-Spionageromans.

Honig – Ian McEwan (2012)

Spionageromane sind nicht nur aus der Mode, sondern auch äußerst schwierig zu rezensieren: Keine überraschende Wendung darf verraten werden, der Service am Leser muss spoilerbedingt Slalom fahren. Was zu Honig gesagt werden kann: Trotz kalten Kriegs und brutaler nordirischer Bombenbedrohung bastelt der legendäre britische Geheimdienst MI5 auf ganz bescheidenem Niveau: Geheimdienstlehrlinge ohne Ausbildung sollen einen…

Menschenkind – Toni Morrison (1987)

Dany Glover war im Jahr 1999 ein Schauspieler, den man aus lustigen Buddy-Buddy-Filmen namens Lethal Weapon kannte. Daher eilten wir ins Kino, als Menschenkind anlief. Immerhin führte Jonathan Demme Regie, der uns ein paar Jahre zuvor mit Das Schweigen der Lämmer das Gruseln gelehrt hatte. Damals gab es noch keine Spoiler im Internet, inhaltlich bereitete…

Bachtyar Ali – Die Stadt der weißen Musiker (2017)

Durchs wilde Kurdistan schickt Bachtyar Ali seinen Helden Dschaladat, genauer gesagt durch den irakischen Teil des kurdischen Gebietes. Der Autor ist Kurde, ebenso wie einige Hauptfiguren und auch der fiktive Erzähler. Das Erzählen von Tod und extremer Gewalt schockieren – die magische Wirkung wunderbaren Flötenspiels bezaubert. Der Autor arbeitet geschickt mit Gegensätzen und breitet zwei…

#fbm2018 Frankfurter Buchmesse 2018:

7 Highlights der Frankfurter Buchmesse 2018 #fbm2018

Wer war der abgeklärteste Autor? Wo fand man den drögsten Stand auf der Buchmesse? Hier erfahren Sie, wer die LeserInnen am meisten zum Staunen brachte, wer den coolsten Auftritt hatte und vieles andere :D Das größte Staunen erzeugte Adolf Muschg. Er zeigte, wie vollkommen anders das Newsgeschäft in Japan funktioniert: „Es geht hier nicht immer…

Neue Welten erfinden – SciFi mit Leiden-schaft #fbm2018

So begeisterten Jubel sieht die Frankfurter Buchmesse nicht oft: Beim ersten Science-Fiction-Special in Frankfurt am 12.10.2018 war der „Pavilion“ auf der zentralen Agora bis auf das letzte Plätzchen ausgebucht. Dieter Dath war gekommen, ebenso Karen Nölle, die Übersetzerin der kürzlich verstorbenen Ursula Le Guin, der der Abend, die „Ursula Lounge“ gewidmet war. „Wie überraschend doch…