DER ZEIGESTAB des Lehrers ist nicht immer die beste Methode, um ein Publikum mit Informationen zu versorgen. Die Österreicherin Anna Kim hat ihn trotzdem verwendet und liest sich — leider langweilig.
Papierene Figuren erleben in der Rückschau eines alten Mannes im Korea und Japan zwischen 1945 und den 60er Jahren eine Dreiecksgeschichte in den Wirren von Kriegs- und Nachkriegszeiten und in den erdrückenden Lebenswelten, die Diktaturen schaffen. Dazu kommt seitenweise aus dem undefinierten Off historischer Text.
Natürlich ist die hochinteressante Geschichte Koreas bei uns praktisch unbekannt und sollte ins Bewusstsein der deutschsprachigen Länder geraten, natürlich haben Millionen Tote, Gefolterte und ihrer Lebensfreiheit Beraubte ein Recht, gehört und wahrgenommen zu werden. Es erscheint unfair, ein Buch zu kritisieren, das davon erzählen möchte, wie es ist, jahrzehntelang niemandem trauen zu können.
Aber in einem Roman von über 500 Seiten erwartet man sich doch einen Plot, der wenigstens so interessant ist, dass man wissen möchte, wie es weitergeht, und man erwartet sich, wenigstens einer aufregenden Figur zu begegnen.
Wir ehren die Autorin, die einen Roman über Korea geschrieben hat. Kleine Textpassagen sind gewinnend: Der koreanische König Kojong, der an seinem Hof den Tennissport eingeführt hatte, ist lustig: Als er bemerkt, wie anstrengend der Sport für seine europäischen Gäste ist, schlägt er vor, doch einfach die Diener spielen zu lassen.

Anna Kim hat selbst das anspruchsvolle Match zwischen Schreiben und Informieren gespielt – und nicht gewonnen.
Anna Kim: Die große Heimkehr.