Anna Kim: Die große Heimkehr (2017)

NIEMALS SOLLST DU versuchen, als Autor mit dem Zeigestab des Lehrers die Menschen zu belehren! Die Österreicherin Anna Kim hat es trotzdem gemacht, verkauft sich recht gut und liest sich — leider langweilig wie eine verstaubte Klischee-Schulstunde.

Papierene Figuren erleben in der Rückschau eines alten Mannes im Korea und Japan zwischen 1945 und den 60er Jahren eine Dreiecksgeschichte in den Wirren von Kriegs- und Nachkriegszeiten und in den erdrückenden Lebenswelten, die Diktaturen schaffen. Dazu kommt seitenweise aus dem undefinierten Off historischer Text.

Natürlich ist die hochinteressante Geschichte Koreas bei uns praktisch unbekannt und sollte ins Bewusstsein der deutschsprachigen Länder geraten, natürlich haben Millionen Tote, Gefolterte und ihrer Lebensfreiheit Beraubte ein Recht, gehört und wahrgenommen zu werden. Es erscheint unfair, ein Buch abzulehnen, dass davon erzählen möchte, wie es ist, jahrzehntelang niemandem trauen zu können.

Aber in einem Roman von über 500 Seiten erwartet man sich doch einen Plot, der wenigstens so interessant ist, dass man wissen möchte, wie es weitergeht, und man erwartet sich, wenigstens einer aufregenden Figur zu begegnen.

Was bleibt Positives: Wir ehren die Autorin, die versucht hat, einen Roman über das Land zu schreiben, in dem sie geboren wurde und loben sie, dass sie gut recherchiert hat.

Kleine Textpassagen sind gewinnend: Der koreanische König Kojong, der an seinem Hof zuerst den Tennissport eingeführt hatte, bringt uns natürlich zum Schmunzeln: Als er bemerkte, wie anstrengend der Sport für seine europäischen Gäste war, schlug er vor, doch einfach die Diener spielen zu lassen.

Anna Kim hat das anstrengende Match zwischen Schreiben und Informieren selbst gespielt – und nicht gewonnen.

 

 

 

 

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