Das Lied von Eis und Feuer – George R. R. Martin (1996 – ?)

Schattenwölfe! Drachen! Riesen! Untote! Kinder als mutige Helden im mittelalter-ähnlichen Epos von Eis und Feuer.

Eine Riesen-Fangemeinde folgt den Büchern von George R. R. Martin und der Fernsehserie „Game of Thrones“ auf allen sozialen Netzwerken. Buchhandlungen berichten fassungslos von zahllosen jungen (!) und älteren BuchkäuferInnen („Jetzt lesen sie alles noch mal auf Englisch!“), die ungeduldig jahrelang auf die Fortsetzung warten.

Eins ist sicher: Der Mann kann erzählen. In einer fiktiven Welt hat er neue Kontinente, Völker, Adelsfamilien, Religionen, Tiere und magische Wesen zum Leben erweckt. Damit wir LeserInnen nicht allzu irritiert sind, ähneln viele Details unseren kulturellen Erfahrungen: So ist die Anrede für einen hohen Herren „Ser“ (statt Sir oder Sire), der Führer eines wilden Reitervolks im Osten ist ein „Khal“ (statt Khan) und geläufige Tabus wie verletztes Gastrecht (die „Rote Hochzeit“!), Inzest und Brudermord befeuern die Handlung.

„Der Winter naht.“ (Haus Stark)

Apropos Handlung: Im Wesentlichen geht es darum, dass nach dem Tod des Königs allerhand Konflikte ausbrechen, mindestens fünf „Könige“ erheben Anspruch auf den eisernen Thron. Mord und Totschlag, epische Schlachten, Leidenschaft und Wahnsinn dominieren nun schon seit 5 Bänden (auf Deutsch in 10 Bücher aufgeteilt)  die Weltgeschichte. Während der Krieg auch in der Welt von Westeros und Essos das Schlechteste aus den Menschen hervorholt, erhebt sich „nördlich der großen Mauer“ das wirklich Böse, das die Menschheit vernichten wird …

„Ein Lannister begleicht stets seine Schuld.“ (Haus Lannister)

Bereits „sprichwörtlich“ sind die plötzlichen Tode von tragenden Figuren in den globalen Meme-Maschinen von Facebook und Instagram angekommen. Die Hälfte der Protagonisten des ersten Buchs hat bereits das Zeitliche gesegnet. Andere haben sich erstaunlich entwickelt: Seeeeehr böse Figuren haben sich zu durchaus ehrenwerten Figuren gemausert, anfängliche Vertreter des Guten haben inzwischen jemanden vergiftet oder andere Schlechtigkeiten verbrochen. Die LeserInnen dürfen sich nie auf ihren Lese-Lorbeeren ausruhen –  Plötzlich kann alles wieder ganz anders sein!

„Was tot ist, kann nicht sterben.“ (Haus Greyjoy)

Entsetzliche Grausamkeiten und mörderischen Verrat beschreibt der Autor ebenso detailliert wie zarte Liebe, Kinderträume, sinnlose Hoffnung – und sexuelle Aktivitäten. Da viele der ProtagonistInnen im Buch noch Kinder zwischen 9 und 14 Jahren sind, weicht die HBO Fernsehserie hier ein wenig ab, um auch diese erotisieren zu können: Nicht umsonst ist Game of Thrones auch als „Dragon and Tits“ bekannt – im TV sind alle schon erwachsen.

„Du weißt gar nichts, Jon Schnee.“

In der Fantasy-Welt von Eis und Feuer rittern, lieben, hassen, führen, töten und sterben die lieben Kleinen, als ob es kein morgen gäbe. Aber dazu sind Fantasy-Welten schließlich da, dass das Unwirkliche und das Magische ganz normal erscheinen.

Darauf lassen wir uns als LeserInnen gerne ein. Die Heerscharen von schönen willigen Frauen hingegen nerven ein wenig und auch, dass bei den kriegerischen Protagonistinnen immer wieder detailliert auf deren Hässlichkeit hingewiesen wird. Extrem hässlich ist allerdings auch einer der männlichen Protagonisten, der Zwerg, Tyrion Lannister.

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An ihm können wir das Wunder von Literatur bestaunen: Die Figur ist klug, witzig und echter Sympathieträger. Durch die Verkörperung von Tyrion hat es Peter Dinklage in der TV Serie geschafft, nicht nur einen Emmy und einen Golden Globe zu erringen, sondern auch den Blick auf Kleinwüchsige nachhaltig zu verändern.


Das Lied von Eis und Feuer. George R. R. Martin.

Kommentare

  1. Hi, ich mag eure Seite sehr. Aber bei diesem Werk fehlen mir in der Rezension schon Hinweis & Analyse der umfassenden Frauenfeindlichkeit.
    Liebe Grüße Agnes (&Freunde)

    • Hallo Agnes,
      wir haben im Team auch mehrmals heiß darüber diskutiert und sind dann so verblieben:
      Die gesamte Welt von Feuer und Eis entspringt (wie fast jedes Buch) dem Gehirn einer einzigen Person, in diesem Fall ist es ein Mann. George R.R. Martin gehört zudem einer bestimmten Generation, Ethnie, sozialen Schicht, … an und wir lesen, was uns ein typischer Vertreter dieser Gruppe von seinen Fantasien über „eine tolle Geschichte für meine LeserInnen“ zeigt.
      Auch wenn wir als LeserInnen manche Elemente des Buches (die Softporno-Einschübe, die Folterung von Theon, …) entbehrlich finden, wünschen wir uns dennoch keine auf Political Correctness gebügelten Bücher. Vielmehr sehen wir das Buch „über ferne Zeiten in anderen Welten“ als Möglichkeit, über den eigenen Blick auf die Welt zu reflektieren: Warum ist es so erfolgreich? Was steckt davon in mir selber? Ist Prostitution wirklich ein „Beruf wie jeder andere“, und so weiter.
      Wir selber versuchen über das Buch etwas Interessantes zu schreiben, ohne Missionare zu sein : )
      Liebe Grüße, das Hündür-Erikson-Team

      • Guten Morgen allerseits,
        also wir befinden uns im Genre „Fantasy“ und DAFÜR gibt es mehrere sehr überraschende Frauenfiguren. Die Figuren entwickeln sich auch und gut is.

        Auch der „Faust“ ist ja ein Werk, dass nicht als „schlecht“ rezensiert wird, weil seine Frauenfiguren schwach sind.

        Die Wargs, die Blicke durch den Herzbaum, Tyrions Story: großartig erzählt!

      • Morgen Leute,
        update zur HBO-Serie Game of Thrones (hat mit dem ursprünglichen Buch nur mehr wenig zu tun): Die Figuren sind in der 7. Staffel insgesamt ein wenig flacher, die Inszenierung der Schlachten gelingt großartig, und: Das Tittytainment ist praktisch weg. Großes Plus.
        Liebe Grüße, Atti

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