Wenn es ein Paradies gibt – Ron Leshem (2005)

„Jonathan wird uns nicht mehr alt und hässlich werden sehen.“

Der Beginn dieses Romans ist in Israel der Grabreden-Favorit für gefallene junge Männer und Frauen geworden. „Und er wird nie wissen, wie es ist, auf dem Rasen zu sitzen mit einem kleinen Jungen, der sein eigener ist, und ihm zu erzählen, wie überlebensgroß wir waren, bei den Hinterhalten im Libanon.“

So sieht also der Nahost-Konflikt aus. Ron Leshem erzählt die alte Geschichte vom sinnlosen Krieg am Beispiel der Festung „Beaufort“ im Libanon. Er verfasste einen harten Roman vom Warten, von Angst, vom Töten, vom Auffinden toter Freunde, vom Geruch nach verbranntem Huhn und von der Jugend Israels.

Achtzehn Jahre lang – bis 2000 – wurde die alte Kreuzfahrerfestung von Israel gegen die Hizbollah erbittert verteidigt. Im Jahr 1999 rücken die letzten 14 jungen Männer in die Festung ein. Junge Männer, die gerade noch auf Tel Avivs Flaniermeile, dem Dizinghov, schicken Milchkaffee tranken.

Der Ich-Erzähler Liraz/Eres beschreibt den gepflegten LeserInnen auf dem Sofa unsentimental nicht nur den Tod und die Desillusionierung, sondern auch, wie das Leben im Bunker ohne Privatsphäre aussieht: Duschen nur alle zwei Wochen, stinkende Füße der Kameraden, Paranoia, verlogene Telefonate mit den Müttern.

„Mit geschlossenen Augen konntest du sagen, wer gerade einen hatte fahren lassen, nur dem Geruch nach.“

Der Autor, Jahrgang 1976, ist Journalist von Beruf und wurde mehrere Jahre in „the territories“, in die besetzten Gebieten, geschickt, um zu erfahren wie die Nachrichten entstehen, die er in der Redaktion in Tel Aviv ins Blatt brachte. In Gaza erzählten ihm die Soldaten vom Libanonkrieg und davon, wie sie dort alleine gelassen worden waren. Ron Leshem merkte sich diese Geschichten.

Letztendlich war alles umsonst: „Jonathan wird überhaupt nicht wissen, dass wir aus dem Libanon raus sind.“

Ron Leshem: Wenn es ein Paradies gibt.

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