From Literatur

I Hate the Internet – Jarret Kobek (2016)

Das Silicon Valley, der Rassismus und das Internet. In lässigem Erklärton beschreibt Jarret Kobek zukünftigen unwissenden Generationen, wie die USA von heute gewesen und geworden sind.  „Yale war eine Universität. Universitäten waren Hochstapler-Institutionen, … die bessere Waffen für zukünftige Kriege entwickelten.“ Damit verzückte Jarret Kobek im Vorjahr die internationale Kulturkritik. Von den Anfängen der USA…

Featured

SpielRaum – Alex Acht (2017)

Alex Achts Roman SpielRaum beginnt im „Auenlande“ der Extrem-Gastronomie: Das Oktoberfest geht los, Ruth und die anderen Kellnerinnen sowie die Gäste kommen an, eingespielte Routinen werden neu aufgenommen. Ein paar Risse im Idyll tun sich auf. Eine Kollegin scheint verstorben, ein Gewalttäter ist unter den Stammgästen. Ian, ein Mann aus Ruths Vergangenheit ruft sich nachdrücklich…

Die sterblich Verliebten – Javier Marías (2012)

Die Kunst, sich in den eigenen Sack zu lügen. Davon haben wir schon lange nicht mehr so schön gelesen wie bei Javier Marías. Die große Liebe: Sie ist absolut, wahr, einzigartig. So glauben wir. So wollen wir es glauben. Javier Marías, der kühle Madrilene, zerlegt diese Wahrheit vor unseren Augen und zeigt uns, wie sehr…

Sarajevo Marlboro – Miljenko Jergović (1994)

Das kurze Buch des Miljenko Jergović. Der Mann hat wucherndes, wildes Haar und schreibt wuchernde, 1000seitige Romane. Er hatte allerdings mal kurze Haare und trug auch den Bart kurz. Damals schrieb er kurze Texte über das Festhalten der Würde in würdelosen Zeiten und versammelte diese in einem spartanischen Erzählband. Miljenko Jergović verbrachte das erste Jahr…

Menschenkind – Toni Morrison (1987)

Dany Glover war im Jahr 1999 ein Schauspieler, den man aus lustigen Buddy-Buddy-Filmen namens Letal Weapon kannte. Daher eilten wir ins Kino, als Menschenkind anlief. Immerhin führte Jonathan Demme Regie, der uns ein paar Jahre zuvor mit Das Schweigen der Lämmer das Gruseln gelehrt hatte. Damals gab es noch keine Spoiler im Internet, inhaltlich bereitete…

Pedro Páramo – Juan Rulfo (1955)

„Es muy dificil – Sie antworten nicht. Sie sprechen einfach nicht.“ Sie, die Bewohner des Jalisco. Rulfo selbst  ist in dieser mexikanischen Region geboren und aufgewachsen, umgeben von Härte, Tod, Bürgerkrieg. Seine Familie ist tot, als er neun ist. Ihn – Juan Rulfo – rühmen die  bedeutendsten Autoren der Weltliteratur als ganz großen Schriftsteller. Jorge…

Das Lied von Eis und Feuer – George R. R. Martin (1996 – ?)

Schattenwölfe! Drachen! Riesen! Untote! Kinder als mutige Helden im mittelalter-ähnlichen Epos von Eis und Feuer. Eine Riesen-Fangemeinde folgt den Büchern von George R. R. Martin und der Fernsehserie „Game of Thrones“ auf allen sozialen Netzwerken. Buchhandlungen berichten fassungslos von zahllosen jungen (!) und älteren BuchkäuferInnen („Jetzt lesen sie alles noch mal auf Englisch!“), die ungeduldig…

Wilhelm Tell in Manila – Annette Hug (2016)

Eine studentische Burschenschaft ist der erste Kontakt des philipinischen Augenarztes und Dichters José Rizal in Heidelberg. Da seine Deutschkenntnisse noch nicht gut sind, unterhält man sich eben auf Latein – und versteht sich gut. Der exotische Doktor wird sogar gebeten, Mitglied zu werden. Wir schreiben das Jahr 1886 und viele Personen des Romans sind real:…

Madame Bovary – Gustave Flaubert (1856)

  Zwischen Cervantes und Houellebecq: „Es wurde also beschlossen, Emma am Romanlesen zu hindern.“ 250 Jahre nach Miguel de Cervantes‘ Don Quijote erzählt wieder ein Autor aus dem romanischen Sprachraum von der „verderblichen Wirkung“ populärer Literatur. Und so wie der spanische Longseller hat sich Madame Bovary im Kanon der „Werke, die man gelesen haben muss“…

Das Ministerium der Schmerzen – Dubravka Ugrešić (2005)

„Das Exil ist eine Entscheidung im Leben, kein Spiel.“ (Marina Zwetajewa) Das muss man bei Exil-AutorInnen bedenken, denn von außen sieht das Exil oft wie ein großes Abenteuer aus. Und manchmal gerät das Schreiben über das Exil in einen lockeren, selbstironischen Plauderton, über dem man das Schwere ganz vergisst. Der Protagonistin von Das Ministerium der…