Menschenkind – Toni Morrison (1987)

Dany Glover war im Jahr 1999 ein Schauspieler, den man aus lustigen Buddy-Buddy-Filmen namens Letal Weapon kannte. Daher eilten wir ins Kino, als Menschenkind anlief. Immerhin führte Jonathan Demme Regie, der uns ein paar Jahre zuvor mit Das Schweigen der Lämmer das Gruseln gelehrt hatte.

Damals gab es noch keine Spoiler im Internet, inhaltlich bereitete man sich auf Kino kaum vor. Um es kurz zu machen: Der Film war nicht lustig und folgte keiner klassischen Krimihandlung. Wir sahen die Verfilmung eines Romans über die Sklaverei und deren Auswirkungen auf Menschen.

Toni Morrison, Nobelpreisträgerin für Literatur, hatte den Roman 1987 vorgelegt und den Pulitzer-Preis dafür erhalten. Wir hatten natürlich Roots im Fernsehen gesehen, die dramatische Familiengeschichte von Alex Haley um den afrikanischen Sklaven Kunta Kinte und seine Nachkommen in den USA. Danach glaubten wir zu wissen, wie es in der Sklaverei als Sklave war.

Bis wir Menschenkind sahen und dann sofort lasen. In diesem Roman begegnen wir Sethe, einer Sklavin, die es von Kentucky (Sklaverei erlaubt) in den Bundesstaat Ohio (Sklaverei verboten) geschafft hatte. Die Flucht führt nicht zum Happy End für Sethe. Sie lebt in einem Haus, in dem es zu spuken beginnt: Grausamkeit, Brutalität und Demütigung der Vergangenheit fordern ihren Tribut. Toni Morrison schreibt hart und unerbittlich und so intensiv, dass ihr Sog an keiner Stelle nachlässt.

Die jungen Söhne haben Sethe längst verlassen, Tochter Denver ist noch da. Paul D, auf den ersten Blick ein gestandener Mann (Danny Glover!), trifft ein und bringt ein wenig Handfestigkeit in den Frauenhaushalt. Ein kleines Glück scheint in Sicht.

Doch die Vergangenheit lässt dies nicht zu. Ein Gespenst, das „Gift eines Babys“ verfolgt Sethe und konfrontiert die Figuren verführerisch mit dem Grauen, zerstört beginnendes Vertrauen, muss dann aber doch der Realität weichen.

Das Trauma in diesem Buch ist nicht der peitschenschwingende, fußabhackende Südstaaten-Sklaventreiber (wie ihn Roots). Das Trauma zeigt sich darin, dass es den handelnden Figuren nur teilweise gelingt, ihr „Selbst“ wahrzunehmen; in einem Leben, in dem es die besser Lösung sein kann, seine Kinder zu töten.

In Paul D schlägt kein rotes Herz mehr, aber er tut das Seine. Er kommt zurück, setzt sich in den Schaukelstuhl und möchte „seine Geschichte mit ihrer verbinden.“

Titelfoto: By Angela Radulescu

 

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